Die Justizminister*innen von Bayern und Baden-Württemberg haben bei der Justizminister*innenkonferenz im Juni 2025 für die hochumstrittene „biogeografische DNA-Analyse“ geworben. Bei der Suche nach Straftäter*innen könnten – so die Idee – dann auch Aussagen über deren Herkunft getroffen werden.
Kritik kommt von Anwaltsverbänden und der ehemaligen Bundesjustiziminsterin Christine Lambrecht (SPD), wie Legal Tribune Online berichtet.
Mit der gewohnten Arroganz und Überheblichkeit erklärt Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges „Vage Sorgen“ im Hinblick auf eine „möglicherweise missbräuchliche Nutzung“ der Methode für unbegründet. Denn: „Sie lenke die Ermittlungen noch stärker in Richtung des Täters und „nimmt unbescholtene Bürger“ aus dem Visier der Ermittler.“ Dazu müsste man natürlich ergänzen: Ähnlich wie beim „Racil Profiling“, welches trotz mehrfach festgestellter Rechtswidrigkeit für viele Menschen ein Teil ihres Alltages ist, lenkt man sehr wohl auch den Fokus auf viele unbescholtene Menschen, die mit dem Täter nichts gemein haben als die (vermeintliche) „Biogeografie“. Aber dass den Justizbehörden in Baden-Württemberg an dieser Stelle jegliches Problembewusstsein fehlt, überrascht leider nicht. Man denke nur an die antiziganistisch motivierten Ermittlungsansätze, welche die Aufklärung des NSU-Mordes an Michele Kiesewetter lange Zeit auf eine falsche Fährte führten und letztendlich auch die Aufklärung des gesamten NSU-Komplexes behinderten. Der damals verantwortliche Soko-Leiter Frank Huber ist heute Fachgruppenleiter für Kriminaltechnik an der Hochschule der Polizei Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen ist. Das Land BW ist also offenbar der Meinung, dass jemand der „Ermittlungen im Z**-Milieu“ anweist, wenn eine DNA-Probe „osteuropäischer Herkunft“ an verschiedenen Tatorten gefunden wird, am besten geeignet ist, um die Polizist*innen von Morgen Kriminaltechnik beizubringen….
Immerhin fand der Antrag aus Bayern und Baden-Württemberg bei der Justizminister*innenkonferenz keine Mehrheit und wurde abgelehnt.

